EU verschärft die Vorgaben zur CSR-Berichtspflicht

Was ist neu?

Die nichtfinanzielle Corporate-Social-Responsibility Berichtspflicht von 2017 war bereits ein harter Aufschlag für viele Mittelständler. Nun verschärft und erweitert die Europäische Union mit neuen Richtlinien und Verordnungen die Nachhaltigkeitsberichterstattung nochmals erheblich.

Die Regelungen sollen ab dem 01.01.2024 für das Geschäftsjahr 2023 gelten.

  • 30-mal mehr Mittelständler sind betroffen
  • Mehr Vorgänge werden berichtspflichtig
  • Maschinenlesbares Format vorgeschrieben
  • Pflicht zur eingeschränkten, externen Prüfung

     

     

 

Welche Unternehmen sind betroffen?

Der Kreis sowohl inhabergeführter wie börsennotierter Unternehmen wird deutlich erweitert:

Ab 2024 betrifft die Verpflichtung bereits alle Unternehmen ab 250 Mitarbeitern, unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung, mit einem Umsatz von über 40 Millionen Euro, oder einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro.

Ab 2026 werden alle kapitalmarktorientierten Unternehmen verpflichtet, die zwei der folgenden drei Merkmale erfüllen:

  • 10 Beschäftigte
  • 350.000 Euro Bilanzsumme
  • 700.000 Euro Nettoumsatzerlöse


Nach einer DRSC Studie wird sich die Anzahl der in Deutschland dann von der Nachhaltigkeitsberichtspflicht betroffenen Unternehmen um das 30-fache erhöhen.

Wie hat sich der Bezugsrahmen verändert?

Die konkreten Berichtsstandards sind noch zu entwickeln. Aber was jetzt schon klar ist – es soll eine doppelte Materialität verankert werden. Das bedeutet vor allem für deutsche Unternehmen eine wesentliche Verschärfung:

Bisher ist die nichtfinanzielle Erklärung eines Sachverhaltes nur notwendig, wenn dieser hinsichtlich des Geschäftserfolg aus ökologischen bzw. sozialen Gesichtspunkten als wesentlich eingestuft wird. Dies führt bei einer strengen Auslegung dazu, dass bisher nur sehr wenige Sachverhalte tatsächlich berichtspflichtig sind.

In Zukunft reicht bereits ein einziges Wesentlichheitsmerkmal aus, um den Vorgang berichtspflichtig werden zu lassen.

Die so geforderte Erweiterung der Berichterstattung um die Auswirkungen unternehmerischen Handelns auf die Umwelt beinhaltet auch das Erreichen der Klimaziele und setzt damit ein Klimamanagement mit einem entsprechenden De-karbonisierungs-Pfad im Unternehmen voraus.

Welche Informationen sind zu berichten?

Die neue Vorlage zur CSR Dokumentation beinhaltet folgende Berichtsinhalte:

  1. Angaben zu den 6 Umweltzielen analog der Taxonomie Verordnung der Europäischen Union:
    • Klimaschutz (Mitigation)
    • Anpassung an den Klimawandel (Adaption)
    • Wasser- und Meeresressourcen
    • Kreislaufwirtschaft
    • Umweltverschmutzung
    • Biologische Vielfalt und Ökosysteme
  2. Angaben zu gesellschaftlichen Aspekten:
    • Chancengleichheit für alle, einschließlich Gleichstellung der Geschlechter und gleiches Entgelt für gleiche Arbeit, Ausbildung und Qualifizierung sowie Beschäftigung und Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen
    • Arbeitsbedingungen, einschließlich sicherer und anpassungsfähiger Arbeitsplätze, Löhne, sozialer Dialog, Tarifverhandlungen und Beteiligung der Arbeitnehmer, Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie einer gesunden, sicheren und gut angepassten Arbeitsumgebung
    • Achtung der Menschenrechte, Grundfreiheiten, demokratischen Grundsätze und internationalen Standards
  3. Angaben zum rechtlichen Ordnungsrahmen (Governance):
    • Rolle der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane des Unternehmens, speziell in Bezug auf Nachhaltigkeitsbelange
    • Unternehmensethik und Unternehmenskultur
    • Korruptions- und Bestechungsbekämpfung
    • Politisches Engagement des Unternehmens (einschließlich seiner Lobbying-Aktivitäten)
    • Management und die Qualität der Beziehungen zu Geschäftspartnern (einschließlich der Zahlungspraktiken)
    • Interne Kontroll- und Risikomanagementsysteme des Unternehmens (auch in Bezug auf den Berichterstattungsprozess des Unternehmens)

Unternehmen müssen sowohl Informationen bereitstellen, die für ein Verständnis der Auswirkungen der Unternehmensaktivitäten auf ihre Umwelt notwendig sind (inside-out-view), als auch solche, die verständlich machen, wie sich die Nachhaltigkeitschancen und -risiken auf die Entwicklung & Leistungsfähigkeit sowie auf die Ertragslage, Vermögens- & Finanzlage des Unternehmens auswirken können (outside-in-view).

Es ist davon auszugehen, dass die geforderten Informationen fester Bestandteil der Unternehmensbewertungen im Kapitalmarkt werden.

Wo soll veröffentlicht werden?

Eine separate Nachhaltigkeitsberichterstattung ist nicht mehr möglich, die Wahlfreiheit über das Berichtsmedium entfällt.

Ab 2024 sollen die geforderten Angaben im Geschäftsbericht veröffentlicht werden (Rubrik Lagebericht).

Bis wann soll veröffentlicht werden?

Als Veröffentlichungsfrist soll spätestens 4 Monate nach Ende des Geschäftsjahres eines betroffenen Unternehmens gelten.

Konkret ist also der CSR-Bericht des Geschäftsjahres 2023 spätestens im Mai 2024 zu veröffentlichen (Annahme Geschäftsjahr = Kalenderjahr).

In welchem Format soll veröffentlicht werden?

Auch die Wahlfreiheit des Veröffentlichungsformates soll entfallen. Ab 2024 soll ein maschinenlesbares Format vorgeschrieben sein. Das „Single electronic Reporting Format“ (ESEF) schreibt zukünftig ein Tagging der geforderten Informationen vor. Ziel ist die Kompatibilität mit einem zentralen Register für digital aufbereitete Berichte der EU, dem sog. „European Single Access Point“.

Welche Berichtsstandards sind anzuwenden?

Es gibt eine Auswahl sowohl nationale wie internationale Standards, die zur Orientierung genutzt werden können. Keiner dieser Standards ist rechtlich vorgeschrieben – allerdings müssen berichtspflichtige Unternehmen, die keinem etablierten Standard nachkommen, dies begründen:

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK), deutscher Standard für die strategische Ausrichtung von Unternehmen bezüglich Nachhaltigkeit, Prozessmanagement, Ökologie und Soziales

ISO 26000 – internationaler Standard, wurde mit Fachleuten aus mehr als 90 Ländern und 40 internationalen und regionalen Organisationen erarbeitet

EMAS-Standard – EU-Standard, freiwilligen Eco-Management and Audit Scheme (EMAS)

UN-Global-Compact-Standard (UNGC), internationaler Standard des weltweit größten Netzwerks für unternehmerische Verantwortung und Nachhaltigkeit

Global-Reporting-Initiative-Standard (GRI), internationaler Standard der Global Reporting Initiative, wurde im Dialog mit Vertretern der Wirtschaft, Gewerkschaft, Gesellschaft und Wissenschaft Nachhaltigkeitsrichtlinien erstellt

Welche Vorteile bietet die Nachhaltigkeitsberichterstattung dem Mittelstand?

Durch ein umfassendes Berichtswesen zu ökologischer und sozialer Verantwortung und Engagement dokumentieren Unternehmen die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung sowie Transparenz.

Sie können damit nicht nur bei Kunden und Geschäftspartnern punkten, sondern auch Investoren, Kapitalgeber sowie strategische Partner für sich einnehmen. Nicht zuletzt fördert ein informativer und glaubwürdiger CSR-Bericht auch das Employer-Branding eines Unternehmens.

Im Ergebnis fördert ein CSR-Bericht den zukünftigen Unternehmenserfolg, die Performance im Markt sowie den Zugang zu Fremdkapital und den besten Talenten!

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